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Sandwichbauteile - Vorgefertigt und im Verbund tragend
Sandwichelemente erfreuen sich aufgrund ihrer hohen
Vorfertigung, der hervorragenden Wärmedämmung und der guten
statischen Eigenschaften bei Bauherren und Planern immer größerer
Beliebtheit. Wir erläutern die Nachweisverfahren für den praxisgerechten
Einsatz und gehen in einem weiteren Teil des Beitrages (folgt demnächst)
auf die europäische Normung ein.

Durch die einfache Montage auf der Baustelle und
die guten
statischen und Wärmedämmkennwerte nimmt der Einsatz von
Sandwichelementen immer mehr zu.
Die in der Praxis verwendeten Sandwichbauteile bestehen
meistens aus metallischen Deckschichten und einem Kern aus Kunststoff
(zum Beispiel Polyurethan, Polystyrol) oder Mineralwolle. Die Deckbleche,
die quasi eben (gesickt oder liniert) beziehungsweise trapezprofiliert
sein können, sind durch Selbsthaftung oder Klebung schubfest mit
der Kernschicht verbunden, so dass ein insgesamt tragender Verbund- oder
Sandwichquerschnitt mit hoher Steifigkeit entsteht (Bilder 1 und 2).
Polyurethan (PUR)
Hartschaum,
Dichte p = 40 50 kg/m³
FCKW-freie Treibmittel: (R 141b), R 134a, Pentan, CO2,
selbsthaftend |
Polysterol (PS)
Hartschaum; Dichte p > 15 kg/m³ mit Deckschichten verklebt |
Mineralwolle
Dichte p = 90 - 150 kg/m³ mit
Deckschichten verklebt |

Bild 1: Ausführungsvarianten von Sandwichbauteilen
nach Kernschichten
top
Einsatzgebiete und Tragverhalten
Sandwichbauteile werden hauptsächlich als raumbildende und tragende
Wand- und Dachbauteile eingesetzt. Sie sind somit wesentliche Konstruktionselemente
eines Bauwerks. In Deutschland wurden 1999 etwa 12 bis 14 Millionen m²
Dacheindeckungen und Wandverkleidungen aus diesen Elementen gebaut.
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Werkstoff
Stahlblech
tN = 0,40 1,00 mm,
bs = 280 350 N/mm²
Korrosionsschutz nach DIN 55928
Aluminium
zum Beispiel: Al Mn Mg 0,5
tN = 0,50 0,70 mm
Rp;0,2 = 140 220 N/mm²
Kupfer
zum Beispiel: SF Cu Nr. 2.0090,
tN = 0,50 0,70 mm
Rp;0,2 = 280 N/mm²
Holz
plattenförmige Holzwerkstoffe
zum Beispiel: Flachpressplatten
nach DIN 68763 d = 8 mm
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Bild 2: Ausführungsvarianten von Sandwichbauteilen
nach Deckschichtene
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top
Der Vorteil der Sandwichbauteile besteht zunächst
darin, dass sie baustellenkomplettierte Systeme sind, die als Wand- und
Dachbauteile - in der Fabrik vorgefertigt - auf der Baustelle nur noch
verlegt und befestigt werden müssen. Ein weiterer wesentlicher Vorteil
dieser einfach und daher kostengünstig zu montierenden Sandwichtragwerke
besteht darin, dass im Sinne des integrierten Bauens die Kernschicht
nicht nur als hervorragende Wärmedämmung wirkt, sondern durch
den Verbund mit den Deckblechen auch erheblich die Steifigkeit und Tragfähigkeit
der Bauteile erhöht wird.
So erreicht man zum Beispiel für ein
(übliches) 80 mm dickes Wandbauteil mit quasi-ebenen, gesickten Deckblechen
mit tN = 0,5 mm und einem Polyurethan-Kern - je nach Bauteiltyp
- zulässige Stützweiten von 5,0 bis 6,0 m (Gebäudehöhe
< 8,0 m) und für ein Dachbauteil (oben trapezprofiliert, unten
gesickt) bei einer Schneebelastung von 0,75 kN/m2 Stützweiten von
4,0 bis 6,0 m.
Wegen der Verwendung von Kernschichten aus
Kunststoff beziehungsweise Mineralwolle, die sich hinsichtlich der Herstellung
und der bautechnischen Anforderungen so günstig verhalten, sind bei
der Beurteilung der Tragfähigkeit der Sandwichtragwerke und damit
der Bemessung jedoch eine Reihe von Besonderheiten zu beachten.
So ist zum Beispiel bei der Beurteilung der
Tragfähigkeit die Schubweichheit der Kernschicht (Bild 3) zu berücksichtigen
und damit die Theorie des elastischen Verbundes zu beachten.
Dies ist eine Frage der sicheren Bemessung, da bei Ansatz des starren
Verbundes die Tragfähigkeit der Bauteile überschätzt
würde. Außerdem sind aufgrund der Kombinationen verschiedener
Materialien (zum Beispiel Metall/Kunststoff) besondere Einwirkungen zu
berücksichtigen, die einen bedeutenden Einfluss auf das Tragverhalten
haben.
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Bild 3:
Theorie des elastischen Verbundes
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top
Allgemeine
bauaufsichtliche Zulassung
Für den Einsatz von Sandwichbauteilen für Dach und Wand, bei
denen die Verbundtragwirkung durch die schubfeste Verbindung der Deckbleche
mit einem Kern angesetzt und genutzt wird, ist in Deutschland eine Allgemein
bauaufsichtliche Zulassung des Deutschen Instituts für Bautechnik,
Berlin (DIBt), erforderlich, da diese Bauteile in keiner Norm geregelt
und in der Bauregelliste A und C nicht erfasst sind.
Mit den Festlegungen, die jeweils für einen bestimmten Bauteiltyp
eines bestimmten Herstellers in dem Zulassungs-Bescheids erfasst sind,
können praxisgerechte Nachweise für die Tragsicherheit und Gebrauchseignung
ausreichend genau durchgeführt werden. Für die Berechnungen
ist jedem Zulassungsbescheid eine allgemein gültige Anlage A
beigefügt, in der alle erforderlichen Nachweise für die Standsicherheit
und Gebrauchseignung, vor allem aber auch die zu beachtenden Einwirkungen,
aufgeführt sind. Falls die Nachweise mit den Rechenwerten und Widerstandsgrößen
nach Anlage B danach durchgeführt werden und die geforderten
Sicherheiten eingehalten sind, kann davon ausgegangen werden, dass gegen
die Verwendung dieser Bauteile keine Bedenken bestehen.
Besondere Einwirkungen
Bei Fassadenbauteilen und tragenden Wand- und Dachbauteilen sind als äußere
Lasten die üblichen Einwirkungen aus Eigengewicht, Schnee und Wind
anzusetzen (Bild 4). Zusätzlich sind jedoch, und dies gilt im Prinzip
für alle Sandwichbauteile gleich welcher Nutzung, zwei weitere Einwirkungen
von ausschlaggebender Bedeutung:
X Temperaturzwängungen durch die unterschiedlichen Deckblechtemperaturen
und (insbesondere bei Kunststoffkernen) Kriechen durch die Schubbeanspruchung
in der Kernschicht
X die zusätzlichen Beanspruchungen bei Temperaturänderung ergeben
sich aus den Verformungen, die durch die Dehnungen in den Deckschichten
auftreten. Es ist nachgewiesen und vor allem auch in den bauaufsichtlichen
Zulassungen bei den Lastannahmen vorgeschrieben (Tabelle), dass bei Sandwichbauteilen
mit metallischen Deckschichten und Kunststoffkern durch Sonneneinstrahlung
an der äußeren Deckschicht in Mitteleuropa Temperaturen von
80°C entstehen können, während an den inneren Deckschichten
infolge der guten Isoliereigenschaften der Kernschicht nur 25°C anzusetzen
sind. Die Höhe der Temperaturen an der Außenschicht hängt
von der Farbe ab. Im Winter sind außen beispielsweise -20°C
und innen +20°C als Einwirkungsgrößen zu berücksichtigen.
Bild 4: Ausführungsvarianten von
Sandwichbauteilen nach Deckschichten
top
Bei längerer Belastung zum Beispiel durch Eigengewicht
und Schnee ist bei Sandwichbauteilen auf die Spannungsumlagerung in den
Deckblechen durch das Schubkriechen der Kunststoffkernschicht zu achten.
Kriechen bedeutet bekanntermaßen die Zunahme der Verformungen ohne
Erhöhung der Belastungen. Durch die zusätzlichen Verformungen
treten Spannungsumlagerungen auf, die bei der Bemessung der Sandwichbauteile
berücksichtigt werden müssen.
Bei der Beurteilung der Tragfähigkeit der Sandwichbauteile
dürfen der Lastfall Temperatur und der Lastfall
Kriechen keinesfalls vernachlässigt werden, da die Spannungen
aus diesen besonderen Einwirkungen durchaus in der Größenordnung
von denjenigen aus äußeren Lasten liegen können. Sie sind
somit für die sichere Bemessung dieser Bauteile von ausschlaggebender
Bedeutung.
Nachweis der Standsicherheit
und Gebrauchsfähigkeit
Zur Durchführung der erforderlichen Nachweise der Standsicherheit
und Gebrauchsfähigkeit sind in der Praxis zwei Verfahren denkbar,
die ausdrücklich in den Zulassungen genannt werden und somit vorgeschrieben
sind: Nachweis aufgrund typengeprüfter Stützweitentabellen oder
projektbezogene Einzelnachweise.
Nachweise mit typengeprüften
Stützweitentabellen
Für die praxisgerechte Bemessung der Bauteile, die aufgrund der Berechnungsverfahren
und der Vielzahl der möglichen Lastfallkombinationen relativ aufwendig
wird, sollten zunächst von jedem Hersteller Tabellen mit (typengeprüften)
zulässigen Stützweiten zur Verfügung gestellt werden. Die
Stützweiten müssen für den entsprechenden Einsatz als Dach
oder Wand mit den zugehörigen Lastansätzen (zum Beispiel Schnee
entsprechend den Schneelastzonen oder Wind in Abhängigkeit von der
Gebäudehöhe) und den entsprechenden Farbklassen berechnet werden,
so dass alle erforderlichen Nachweise erbracht sind.
Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass
zusätzlich zu dem Nachweis, dass das Bauteil selbst mit ausreichenden
Sicherheiten bemessen ist, folgende Nachweise zu führen sind (Bild
5):
top
Nachweis der Auflagerpressung

Nachweis der Verbindungsmittel
a) Nachweis der Tragfähigkeit der Verbindungen
(insbesondere für abhebende Beanspruchungen,
den Rand- Eckbereichen)

b) Nachweis der Schraubenkopfauslenkung
(infolge unterschiedlicher Deckblech-Temperaturen)

Bild 5: Zusätzlich zu den Typenprüfungen
erforderliche Nachweise
top
- Nachweis der Befestigungen, insbesondere für
abhebende Beanspruchungen durch Windsog und Temperaturzwängung, auch
in Rand- und Eckbereichen der Gebäude, nach Abschnitt 7.7 der Zulassung,
Anlage A
- Nachweis der Auflagerpressung (Druckfestigkeit der Kernschicht) nach
Abschnitt 7.2.1.4 und 7.3 der Zulassung, Anlage A, aufgrund der Auflagerkräfte
durch Auflasten, einschließlich der Zwängungskräfte durch
Temperatur
- Nachweis der Schraubenkopfauslenkung durch unterschiedliche Deckblech-Temperaturen
nach Abschnitt 7.7.2 der Zulassung, Anlage A.
Einzelnachweise
Für spezielle Projekte (zum Beispiel unterschiedliche Stützweiten)
oder Nutzungen (zum Beispiel Tiefkühllager) ist für den praxisgerechten
Einsatz eine projektbezogene Einzelbemessung auf der Grundlage der Anlage
A der bauaufsichtlichen Zulassungen durchzuführen. Die genaue Darstellung
der einzelnen Nachweise würde den Rahmen dieses Beitrages sprengen.
Es wird aber ausdrücklich darauf hingewiesen, dass ausreichende Erläuterungen
und ausführliche Beispiele für die nach der bauaufsichtlichen
Zulassung geforderten Nachweise in der Literatur, zum Beispiel in [1]
bis [13], dargestellt sind.
Prof. Dr. Klaus Berner,
Professor an der FH Mainz für Stahlbau,
Holzbau und Statik
Fazit:
Die Verfahren und Regelungen für den
Einsatz von Sandwichbauteilen, insbesondere aber auch die Nachweise
für die Standsicherheit und Gebrauchsfähigkeit, sind einerseits
relativ aufwendig, andererseits aber genau definiert. Aufgrund der
klaren Vorteile der Sandwichelemente wird diese Bauweise in Zukunft
immer interessanter. Deshalb sollten sich Planer und Ingenieure mit
diesen Nachweisverfahren vertraut machen, um formal richtige Unterlagen
für den praxisgerechten Einsatz von Sandwichbauteilen vorlegen
zu können. In einem weiteren Beitrag zu diesem Thema werden wir
über die Einzelheiten der europäischen Normung berichten. |
Deckschichtentemperatur Innenseite
Im Regelfall: θI = 20°C im Winter θI
= 25°C im Sommer
Deckschichttemperatur Außenseite

Bild 6: Temperaturbeanspruchung (Auszug aus den allgemein
bauaufsichtlichen Zulassungen, Anlage A)
Literatur
[1] Stamm, K., Witte, H.: Sandwichkonstruktionen. Springer- Verlag, 1974
[2] Berner, K.: Stahl/PUR-Sandwichtragwerk unter Temperatur- und Brandbelastung. TH Darmstadt, 1978
[3] Stamm, K.: Sandwichelemente mit metallischen Deckschichten als Wandbauelemente und Dachbautafeln im Bauwesen. Stahlbau (5 und 8) 1984
[4] Schwarze, K.: Numerische Methoden zur Berechnung von Sandwichelementen. Stahlbau (12) 1984
[5] Langlie, C.: Berechnung von Sandwichelementen mit ebenen metallischen Deckschichten. Stahlbau (10) 1985
[6] Jungbluth, O., Berner,K.: Verbund- und Sandwichtragwerke. Springer-Verlag, 1986
[7] Wölfel, E.: Nachgiebiger Verbund. Eine Näherungslösung und deren Anwendungsmöglichkeiten. Stahlbau (6) 1987
[8] Berner, K.: Erarbeitung vollständiger Bemessungsunterlagen im Rahmen bautechnischer Zulassungen für Sandwichbauteile. Forschungsvorhaben DIBt, Berlin, 1995
[9] Berner, K.; Hassinen, P.: Present Design Methods of Leightweight Sandwich Panels. Nordic Steel Construction Conference, 1995
[10] Berner, K.: Praxisgerechte Nachweise zur Trag- und Gebrauchsfähigkeit von Sandwichbauteilen. Stahlbau (12) 1998
[11] Koschade, R., Berner, K., u. a.: Die Sandwichbauweise. Ernst & Sohn, Verlag für Architektur und techn. Wissenschaften GmbH, Berlin, 2000
[12] Berner, K., Gruber P.: Handbuch zum Programm SandStat 3. Ingenieurbüro Berner & Gruber GmbH, Darmstadt, 1998 / 2000
[13] Davies J. M. (Hrsg.), Berner, K., u. a.: Lightweight sandwich construction. Blackwell Science Ltd., Oxford, 2000
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