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Sandwichbauweise im Aufwind Vom Gros der Architekten und Planer fast unbemerkt, konnte sich die Sandwichbauweise in den letzten 50 Jahren zu einer besonders wirtschaftlichen Bauweise entwickeln, die heute auch hohen architektonischen Ansprüchen genügt. Während sich viele Bereiche des Bauwesens jährlich mit -5% bis -10% in bedenklichem Tempo ihrer Talsohle nähern, verzeichnet die Sandwichbauweise Zuwächse von +5% p.a. und sogar darüber. Heute werden etwa 64 Millionen Quadratmeter Dach- und Fassadenelemente in Europa p.a. hergestellt und eingebaut. Diese Fläche lässt sich besser vorstellen, wenn man sie mit bekannten Einheiten vergleicht. Etwa 10.000 Fußballfelder sind erforderlich, um diese Fläche auszufüllen. Man könnte auch den gesamten Hausbestand einer Großstadt wie Köln für den Vergleich heranziehen. Das sind etwa 55.000 Einfamilienhäuser und 65.000 Mehrfamilienhäuser. Setzt man eine durchschnittliche Fläche für Fassade und Dach mit je 500 m² an, dann sind das etwa 60 Mio. m². Dieser beträchtlichen Flächenzahl steht aber nur eine relativ kleine Zahl an Architekten gegenüber, die sich bislangintensiv mit der Sandwichbauweise auseinandergesetzt hat.
Abbildung 9.1.1 Symbolträchtiger Vergleich der Sandwichbauweise zum Lego-Baukasten: Verwaltungsbau im Legolandpark bei Windsor, Großbritannien (1996) - Architekten: Wimberley, Allison, Torry & Goo
Abbildung 9.1.2 Etwa die Hälfte der befragten Architekten hat mit der Sandwichbauweise keine Erfahrung Die Gesamtentwicklung hat dazu geführt, dass
die Sandwichbauweise heute bereits etwa 6 bis 7 % aller Bauweisen ausmacht.
Viele Anzeichen sprechen dafür, dass sich dieser Anteil in den nächsten
Jahren weiter erhöhen wird. Seriöse Schätzungen gehen dahin,
dass die Sandwichbauweise in den nächsten Jahren etwa 12 bis 13 %
aller Bauweisen einnehmen wird. Dies käme etwa eine Verdoppelung
der aktuellen Zahlen gleich. Eine ausführliche Behandlung bietet das Fachbuch "Die Sandwichbauweise" von Rolf Koschade, erschienen im August 2000 beim Verlag Ernst & Sohn, Berlin (die englische Ausgabe wird voraussichtlich Oktober 2001 beim Verlag A. Wiley Company erscheinen). stellt auf ca. 400 Seiten mit über 500 Abbildungen und zahlreichen Tabellen die Sandwichbauweise mit industriell vorgefertigten Sandwichelementen, bestehend aus metallischen Deckschichten und Polyurethan-Hartschaumkern, ausführlich vor.
Abbildung 9.1.3 Weltweit ist es das erste Fachbuch zur Sandwichbauweise, das Architekten, Tragwerksplanern, Statikern, Montagebauern und Bauherren als nützliches Handbuch für Planung und Durchführung, als Nachschlagwerk und als Anregung für Architekturbeispiele dienen soll. Vassilis Sgoutas, Präsident der UIA (UNION INTERNATIONALE DES ARCHITECTES), beschreibt diese Buch u.a. in seinem Geleitwort: "In dieser Veröffentlichung werden unterschiedliche Anwendungen von Sandwichelementen vorgestellt. Offensichtlich stößt die Verwendung von Sandwichelementen in ganz neue Dimensionen vor, wenn ihr das kreative Flair der Architekten zur Seite gestellt wird, deren Werke wir hier bewundern können. Die UIA begrüßt die Initiative zur Veröffentlichung diese Buches..." Sandwichelemente der neuen Generation
Abbildung 9.1.4 Variable Oberflächenstrukturen von Sandwichelementen - L: liniert, S: Sicken; TW: Trapezprofil Wandelement; TD: Trapezprofil Dachelement; W: Wellen; M: Mikrolinierung; E: Eben;
Abbildung 9.1.5 Variable Fugengeometrie von Sandwichelementen:
Abbildung 9.1.6 Besondere Formteile ermöglichen heute anspruchsvollere Architektur
Abbildung 9.1.7 Beispiele für integrierbare Fenster in Sandwich-Fassadenelementen
Abbildung 9.1.8 Diese Edelstahl-Schiebetüre
in Sandwichbauweise für Kühl und Tiefkühlhäuser ist
nur ein Beispiel von zahlreichen Bauelementen, mit der die Sandwichbauweise
zu einem kompletten Baukastensystem wird
Abbildung 9.1.9 links: lose Schichten - rechts: verschäumte Schichten eines Sandwichelements bieten tragfähige Eigenschaften und Eigensteifigkeit durch schubfeste Verbindung zwischen Dämmkern und Deckschichten
Abbildung 9.1.10 Vergleich der Durchbiegung eines 50
mm dicken Sandwichelements mit einem 50 mm dicken Holzbalken bei 3.000
mm Stützweite Ein praxisnaher Vergleich mit dem bekannten Werkstoff
Holz verdeutlicht den Nutzen: Ein drei Meter langer Vollholzbelag, wie
man in beispielsweise im Gerüstbau für Gerüstgruppe 3 als
Gerüstboden einsetzt, benötigt bei einer Punktlast von 1,5 kN
zur Einhaltung einer maximalen Durchbiegung von 20 mm etwa 50 mm Dicke
und er muss mehrschichtig verleimt sein, um diese Anforderung zu erfüllen.
Dies führt bei einer Belagbreite von 500 mm zu einem Gewicht von
45 kg. Demgegenüber biegt sich ein Sandwichelement von 50 mm Dicke
bei gleichen Konditionen nur 16 bis 17 mm durch, es hat außerdem
nur 18 kg Gewicht. Das Sandwichelement bietet eine Gewichtseinsparung
von 60%. Dieser Gewichtsvorteil macht sich bei Transport, Montage und
Dimensionierung der Tragkonstruktion vorteilhaft bemerkbar.
Abwehrende Aussagen wie: "Mit der Sandwichbauweise
könne man keine anspruchsvolle Gestaltung erzielen", dürften
entweder in die Zeit der 60iger Jahre oder in das Reich der Vorurteile
gehören. Hunderte von Farben, eine Vielfalt von Oberflächenstrukturen
und Profilierungen sowie eine breite Palette an systemgerechtem Konstruktionszubehör
bieten sich heute dem Architekten, der sich mit moderner Sandwichbauweise
beschäftigt. Kreative Architekten der 90er Jahre bewiesen mit ihren
Bauwerken in ganz Europa, welche gestalterischen Spielräume die Sandwichbauweise
erlaubt, wenn man ihre Möglichkeiten konsequent nutzt. Aus einer
großen Anzahl weltweiter Architekturbeispiele werden hier stellvertretend
drei Gebäude mit unterschiedlicher Nutzung aufgezeigt:
Abbildung 9.1.11 Um das 276.000 m³ große
Bauvolumen der bis zu 46 m hohen Müllverbrennungsanlage ROTEB in
Rotterdam in unmittelbarer Nähe eines Wohnviertels in Rotterdam human
zu gestalten, bediente sich der niederländische Architekt Maarten
Struijs einer Fassade mit gebogenen silbermetallischen Sandwichelementen
und abgerundeten Ecken. Das 1993 bis 1994 errichtete Bauwerk reflektiert
das Sonnenlicht im Ablauf des Tages und schafft ein sich stets veränderndes
Spiel zwischen Licht und Schatten. Abbildung 9.1.12 Die Flughafen-Betreibergesellschaft
SEA führte 1996 die komplette Fassade des neuen Mailänder Flughafens
"Malpensa 2000" in Sandwichbauweise aus. Die Wandelemente mit
einer Fläche von insgesamt 50.000 m² haben eine äußere
Aluminiumdeckschale in den Farbtönen Hellelfengelb, Tannengrün
und Cremeweiß.
Abbildung 9.1.13 Von 1996 bis 1998 wurden auf dem ehemaligen
Flughafengelände München Riem 13 Ausstellungshallen für
die Neue Messe München in Sandwichbauweise errichtet. Die gerundeten,
weißaluminiumfarbenen Sandwichkonstruktionen erinnern an die aerodynamische
Form von Flugzeugtragflächen (Entwurfsarchitekten: Bystrup, Bregenhøj
& Partner, Dänemark; Ausführung: Planungsgemeinschaft Kaup,
Scholz, Jesse und Obermeyer, Deutschland). Wärme- und Feuchteschutz
Abbildung 9.1.14 Relation zwischen Erhöhung des Wärmeschutzes, Gewichtszunahme, Zunahme der Gesamtkosten und jährlicher Einsparung an Heizöl bei Sandwichelementen
Abbildung 9.1.15 Kombination von Sandwich-Dachelementen mit Solartechnik Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass selbst bei 100% Erhöhung des Wärmeschutzes sich bei der Sandwichbauweise die Gesamtkosten für Material und Montage nur um etwa 10% erhöhen. Innovationen bieten zusätzliche funktionale und architektonische Möglichkeiten. Ein Beispiel ist die Kombination von Solarmodulen mit Sandwichelementen, die am Markt in verschiedenen Design-Varianten erhältlich sind. Nicht minder wichtig für den Wärme- und Feuchteschutz sowie für die Qualität der Raumklimate sind Luftdichtheit, Feuchteschutz und Schlagregenschutz der Gebäudehülle. Die Verbindungstechnik moderner Sandwichelemente ermöglicht heute eine Qualität der Elementverbindungen, die bis zu 100 mal so dicht sind wie hochwertige Fensterkonstruktionen. Sandwichelemente sind aufgrund ihrer metallischen Deckschichten wasserdampfdiffusionsdicht. Auch die Verbindung der Elemente lässt sich im Bedarfsfall durch geeignete Dichtungssysteme wasserdampfdicht ausbilden. Aus diesem Grund hat sich die Sandwichbauweise ja auch in der Kühl- und Kältetechnik so ausgezeichnet bewährt. Witterungs- und Korrosionsschutz
Abbildung 9.1.16 Beispiel für den Korrosionsschutz von Sandwichelementen mit Duplex-Systemen
Abbildung 9.1.17a - 9.1.17c Ablauf
eines SBI-Tests zur brandschutztechnischen Klassifizierung von Sandwichelementen
vom 4. Februar 2000 in der MFPA Leipzig: Die Sandwichelemente tragen nicht
zur Aufrechterhaltung des Brandes bei. Das Feuer erlischt nach dem Entfernen
der Beflammungsquelle. Schallschutz
Abbildung 9.1.18 Ökologische Energiebilanz zur Kerndämmung von Sandwichelementen für eine Nutzungsdauer von 35 Jahren Ökologie Mit der Einsparung an Ressourcen und Kapital geht gleichzeitig auch eine entsprechend hohe Reduktion der Emissionen einher, wie sie durch die Verbrennung von Heizöl oder anderen organischen Brennstoffen entsteht. Auch nach ihrem Lebenszyklus als Sandwichelemente lassen sich die Werkstoffe Metall und PUR-Hartschaum einer ökologisch und ökonomisch sinnvollen Verwertung zuführen. Für Polyurethan-Hartschaum wird neben dem Energierecycling mit einer Energierückgewinnung von etwa ca. 34% der gesamten Herstellenergie zur thermischen Nutzung auch Werkstoffrecycling betrieben, das der Bauindustrie zu interessanten Produkten mit neuen Werkstoffeigenschaften verholfen hat. Summa summarum hat sich die Sandwichbauweise aufgrund einer Symbiose von Design, Technik, Ökonomie und Ökologie zu einer interessanten Alternative für die Architektur entwickelt.
Autor: Rolf Koschade |
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