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Von Galileos Biegetheorie zur Sandwichtheorie

GALILEO
Der Name des berühmten Physikers wurde gewählt, weil Galileo Galilei als Begründer der Biegelehre gilt und Sandwichelemente aufgrund des Sandwicheffektes eine ausgezeichnete Biege- und Torsionssteifigkeit besitzen.

Historische Entwicklung der Biegetheorie
Um heute die ausgezeichnete Biege- und Torsionssteifigkeit moderner Sandwichelemente in der Leichtbauweise wirtschaftlich nutzen zu können, mussten immerhin zwei Wissensgebiete gegründet und über die Jahrhunderte kontinuierlich weiterentwickelt werden. Einmal die Baustatik, insbesondere die Biegetheorie, zum anderen die materialspezifische Festigkeitslehre.

Heute beherrschen wir beide Disziplinen perfekt, aber noch vor rund 250 Jahren waren die theoretischen Erkenntnisse zur Baustatik und zur Biegelehre reichlich lückenhaft. Ein kleiner historischer Streifzug soll uns den mühsamen Weg der Biegetheorie von Leonardo da Vinci bis hin zum Begründer der modernen Baustatik, Claude Louis Navier und zu den statischen Besonderheiten der Sandwichtheorie aufzeigen.

Den Anfang machten Leonardo da Vinci und Galileo Galilei
Als erster beschäftigte sich mit hoher Wahrscheinlichkeit der große Leonardo da Vinci mit dem Problem der Biegung. Er kam jedoch nur zu rein qualitativen Aussagen, indem er die Tragfähigkeiten verschiedener Bauteile miteinander verglich.

Abb. 8.3.1 Tab. VIII aus dem Theatrum Pontificiale von Jacob Leupold

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Abb. 8.3.2 Leonardo da Vinci


Abb. 8.3.3 Galileo Galilei

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Galileos Hauptverdienst an der Biegetheorie
Im 16. Jahrhundert bemühte sich Galileo Galilei (1564 - 1642) als erster darum, die Widerstandsfähigkeit, und in diesem Zusammenhang auch die Biegung fester Körper zu untersuchen. Aber auch Galileo konnte nicht alle Fragen der Biegung klären. So war es ihm beispielsweise nicht möglich, quantitative Aussagen zur Tragfähigkeit zu treffen. Er stellte nur fest, dass ein hochkant gestellter Balken tragfähiger sei als ein flachkant gestellter.

Galileo erkannte, dass die Summe der links- und rechtsdrehenden Momente gleich Null sein müsse, aber das Gleichgewicht der inneren Kräfte ist in seiner Theorie noch nicht enthalten. Galileis Hauptverdienst ist es, dass erstmalig die äußere Belastung in Relation zu den inneren Spannungen gesetzt wurde. Doch die Lage der Drehachse ordnete er am unteren Rand des eingespannten Balkens statt in der Mitte des Balkenquerschnittes an. Dieser kleine aber statisch bedeutsame und aus der Historie verständliche Irrtum sollte sich bis in das 19. Jahrhundert auswirken.

"Achse des Gleichgewichts" und Spannungsverteilung entdeckt
Nach Leonardo da Vinci und Galilei schrieben Hooke, Newton und Mariotte ihre Kapitel in die Geschichte der Biegelehre. Robert Hooke (1635 - 1703) veröffentlichte 1668 seine bedeutende Entdeckung, dass die Spannungen den Dehnungen proportional sind. Auch unterschied Hooke bereits zwischen Zug-, Druck- und Biegebeanspruchung des Balkens.

Bei Biegebeanspruchung stellte Hooke fest, dass die Faser teils verlängert, teils verkürzt wird. Hier findet sich also der erste Ansatz für die Existenz einer neutralen Faser.

Isaac Newton (1642 - 1727) formulierte 1687 die Axiome über das Gleichgewicht der Kräfte und den Zusammenhang zwischen Kraft und Bewegung.

Edme Mariotte (1620 - 1684) untersuchte das Galileische Problem, wandte als erster die Hookesche Hypothese auf das Biegeproblem an, und gelangte zu einer dreieckförmigen Spannungsverteilung. Auch Mariotte hatte zunächst Schwierigkeiten die Neutralachse richtig zu platzieren. Doch dann ordnete er seine "Achse des Gleichgewichts" richtig in der halben Höhe des rechteckigen Querschnittes an. Damit war prinzipiell der Berechnungsgang der Biegung entdeckt. Doch Mariottes Veröffentlichung blieb ohne nennenswerte Resonanz. So erging es auch Parent (1666-1716), der wie Mariotte erkannt hatte, dass die Nulllinie in der Höhe des halben Rechteckquerschnittes liegen müsse.

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Abb. 8.3.4 Eingespannter Balken mit Lastangriff aus Galileis Discorsi e dimostrazioni

Abb. 8.3.5 Robert Hooke

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Abb. 8.3.6 Isaac Newton

Die großen Mathematiker greifen ein
Der Mathematiker Gottfried Wilhelm von Leibniz (1646 - 1716) , der sich mit Newton erbittert um die Entdeckungsrechte der Infinitesimalrechnung stritt, wandte infinite Methoden erstmals erfolgreich zur Berechnung der Widerstandsmomente an.

Da er jedoch den Zuordnungsfehler der Drehachse von Galilei übernahm, musste das Ergebnis von Leibniz trotz exzellenter Mathematik zwangsläufig falsch sein. Während der richtige Wert 1/6 (b * h²) ist, führt die Berechnung von Leibniz am rechteckigen Balkenquerschnitt zu einem doppelt so großen Wert. Galileis Ansatz würde sogar ein dreimal so großes Widerstandsmoment ergeben.

Belastung, Biegung und elastische Linien
Jakob Bernoulli (1654 - 1705) bewies im nächsten Schritt die Abhängigkeit der Biegung von der Belastung.

Leonhard Euler beschäftigte sich danach eingehend mit der Untersuchung elastischer Linien, die ein gerader Stab nach Biegebeanspruchung einnimmt.
Die Integration einer seiner Differentialgleichungen führte 1757 zur bekannten Eulerschen Knickgleichung.

Mit Begriffen wie "Absolute Elastizität" führte Euler bereits an die inhaltliche Nähe des von Thomas Young 1807 geprägten Begriffes "Elastizitätsmodul" heran. Doch stand bei diesen großen Entdeckern nicht der praktische Nutzen für die Bautätigkeit im Vordergrund, es war in erster Linie die Liebe zu der neu entdeckten Mathematik, zur Infinitesimalrechnung.

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Abb. 8.3.7 Gottfried Wilhelm von Leibniz


Abb. 8.3.8 Jakob Bernoulli


Abb. 8.3.9 Leonhard Euler

 

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Praxisnähe durch Jakob Leupold
Mit Jakob Leupold (1674 - 1727) sollte dann ein Mann kommen, der erstmalig den schwierigen Versuch unternahm, das Wissen der Gelehrten und Mathematiker direkt an Handwerker und Künstler weiterzugeben. Sein Werk umfasst neun Bücher und spiegelt praktisch den Wissensstand der gesamten Technik des 17. bis 18. Jahrhunderts wider. In seinem Theatrum Pontificiale - "Schauplatz der Brücken und Brücken-Baues" äußerte sich Leupold auch zur Biegelehre. Dem Leser wird es sicher Freude bereiten, eine kleine Kostprobe aus Leupolds Abhandlungen zu nehmen.

Neben diversen Angaben zur Tragfähigkeit hochkant gestellter Balken, sowie zur Abhängigkeit von Stützweite und Biegemoment in §127, bleibt jedoch bei Leupold die Abhängigkeit zwischen Biegemoment und Durchbiegung unklar. Einmal meinte Leupold, dass Balken bei üblicher Belastung keine Durchbiegung haben, an anderer Stelle jedoch macht er sinngemäß die Aussage, dass sich Balken bei zu großem Abstand der Joche unter ihrem eigenen Gewicht durchbiegen würden.

Leupolds widersprüchliche Ausführungen zum Verhalten der unteren Faser spiegelt das Verständnisproblem zum Phänomen der Biegung wider, wie es uns grundsätzlich auch bei Galilei und Leibniz begegnet.

Seine Feststellung, der hochkant gestellte Balken würde sich nicht durchbiegen, während sich der flachkant liegende Balken durchbiegen könnte, ist aus wissenschaftlicher Sicht nicht haltbar. Leupold kam u. a. zu dem Schluss, dass ein hochkant gestellter Balken viermal soviel tragen würde als ein flachkant gelegter Balken.

Abb. 8.3.10 Jacob Leupold

 

Abb. 8.3.11 Abdruck § 129 aus Leupolds Theatrum Pontificiale

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Abb. 8.3.12 Titelblatt des 1726 erschienenen Theatrum Pontificiale von Jakob Leupold

Wenngleich hier erstmals eine konkrete quantitative Aussage zur Tragfähigkeit gemacht wird, fehlt die unerlässliche Angabe, welche Höhe und welche Breite der betrachtete Balken besitzt. Auch bleibt unklar, wenn Leupold die Durchbiegung zur Beurteilung eines Balkenquerschnittes heranzog, warum er bei flach liegenden Balken eine Durchbiegung, bei hochkant gestellten Balken keine Durchbiegung registrierte.

Vermutet man bei Leupolds Praxisnähe, dass er damit einen praktischen Schwellenwert ausdrücken wollte, dann müsste Leupold wahrscheinlich einen Balkenquerschnitt mit dem Seitenverhältnis Höhe: Breite = 2 : 1 untersucht haben. Da Leupold jedoch die Durchbiegung als einzigen Parameter für die Tragfähigkeit anführte, konnte sein Ansatz nicht richtig sein. Denn wird ein Balken auf Biegung beansprucht, dann hängt seine Tragfähigkeit von den Spannungen in der Randfaser ab. Vergleicht man die Spannung in der Randfaser, dann käme man bei einem Seitenverhältnis von Höhe/ Breite = 2 : 1 zu der Aussage, dass ein hochkant gestellter Balken lediglich das Doppelte eines flachkant gestellten Balkens tragen kann.

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Auch benennt Leupold noch keine Grenzbelastungen und keine Sicherheitswerte. Offensichtlich waren die Versuche Leupolds reine Durchbiegungsversuche an Balken, die man nicht bis zur Bruchgrenze belastet hatte. Erstaunlich ist auch, dass Mariottes Berechnungen zur Spannungsverteilung, die bereits ein halbes Jahrhundert vor Leupolds Buch bekannt waren, keinen Eingang in seine Ausführungen fanden.


Lösung des Biegeproblems durch Coulomb
Die eigentlich endgültige Lösung des Biegeproblems wird nach einer knapp abgefassten Veröffentlichung von 1773 dem französischen Physiker Charles Augustin Coulomb (1736 - 1806) zugeschrieben. Er behandelte einerseits die Fragen der Statik und Festigkeitslehre nach naturwissenschaftlichen Methoden, andererseits bedachte er aber auch die Anwendung auf praktische Bauaufgaben. Coulomb, der u. a. auch mit dem Coulombschen Gesetz die elektromagnetische Wechselwirkung beschrieb, war sowohl exzellenter Physiker als auch praxisorientierter Ingenieur.

Coulomb nahm wie Mariotte gleich große Zug- und Druckspannungen an, und er forderte ein Gleichgewicht für die inneren Kräfte des Balkens. Mit praktischen Versuchen gelang Coulomb dann auch eine Bestätigung seiner Annahme, und damit die zweifelsfreie Bestimmung der Nulllinienlage in halber Höhe des rechteckigen Querschnitts. Coulomb ging genau so vor, wie uns auch heute die Baustatik geläufig ist: Er machte einen gedanklichen Schnitt durch den belasteten Balken, setzte an der Schnittfläche Normal- und Schubspannungen an, und kam dann bei konsequenter Anwendung der Gleichgewichtsbedingungen zu einer Aussage über die Größe der Spannungen. Seine Theorie über das Biegeproblem enthält auch eine Betrachtung der Schubbeanspruchung.

Was sich im 21. Jahrhundert so selbstverständlich anhört, war jedoch zur Zeit Coulombs ein höchst schwieriger, abstrakter Verständnisprozess, den viele große Physiker vor, und auch nach Coulomb, nicht in voller Klarheit erkannt und formuliert hatten. Leider blieb im Gegensatz zu Jakob Leupolds "Theatrum Pontificiale" die Abhandlung Coulombs von der Fachwelt weitestgehend unbemerkt. Mag es an der Knappheit seiner Abhandlung liegen, an mangelnden Kommunikationsmöglichkeiten oder am Festhalten alter Theorien, viele Wissenschaftler kehrten auch nach Coulomb wieder zu der unrichtigen Annahme Galileis zurück, dass die Lage der Nulllinie keine Rolle spielen würde.

Abb. 8.3.13 Charles Augustin Coulomb

Navier begründet die moderne Baustatik
Der Franzose Claude Louis M. H. Navier (1785 - 1836), Begründer der modernen Baustatik, zunächst als Zweig der Mechanik, dann als eigenes "Lehrgebäude", vollendete die Biegetheorie und ergänzte sie durch Arbeiten zur Elastomechanik. Auch Navier hatte zunächst seine Probleme mit der Nulllinie, korrigierte jedoch schon 1819 diesen "Jahrhundertfehler". Er verließ die geometrische Deutung und bewies, dass bei reiner Biegung die Spannungs-Nulllinie durch den Schwerpunkt des Querschnittes verläuft. Navier, der wie Coulomb ebenfalls die Proportionalität von Spannung und Dehnung voraussetzte, kam zu Ergebnissen, die exakt mit den Resultaten Coulombs übereinstimmten. Naviers Erfolg beruht darauf, dass er den theoretischen Ansatz der Biegetheorie den praktischen Erfordernissen angepasst hat. Es gelang ihm als erster, die Biegetheorie mit einem vertretbaren mathematischen Aufwand und genügender Genauigkeit der Baupraxis zugänglich zu machen.

Trennung zwischen Material- und Querschnitteigenschaft vollzogen
Auch Navier "vermengte" anfänglich noch die Materialeigenschaften, die mit dem "Elastizitätsmodul" 1), und die Querschnitteigenschaften, die mit dem "Trägheitsmoment" 2) ausgedrückt werden, in einem einzigen Begriff. 1826 führte Navier dann die konsequente Trennung der Materialeigenschaften von den Querschnitteigenschaften durch. Auch dieser Schritt war damals mit erheblichem Umdenken und einem hohen Maß an Abstraktionsvermögen verbunden.

1) Der Begriff "Elastizitätsmodul" wurde 1807 von Th. Young (1773 bis 1829) eingeführt (4.64).
2) Der Begriff "Trägheitsmoment" wurde nach DIN 1080, Teil 1, in "Flächenmoment 2. Grades" umbenannt.

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Weitere 150 Jahre bis zur Realisierung des Sandwicheffektes
Weitere 150 Jahre vergingen, bis die Entdeckung der Polyurethane und das Wissen um diesen universellen Werkstoff mit den idealen Eigenschaften von Stahl zu einem neuen Bauteil, dem Sandwichelement. mit völlig neuen Eigenschaften verbunden werden konnte. Diese Pionierleistung können Mitgliedfirmen von GALILEO - Kreatives Bauen mit Sandwich - für sich in Anspruch nehmen.

Bei Sandwichbauteilen nutzt man die Dämmschicht nicht nur für den Wärmeschutz, sie integriert zusätzlich auch die mechanischen Eigenschaften der Dämmschicht in die Tragfähigkeit des gesamten Sandwichbauteils, wodurch eine deutliche Steigerung der Tragwirkung erreicht wird.

"Väter" der modernen Biegetheorie von Leonardo da Vinci bis Navier
1. Leonardo da Vinci 1452 - 1519 Qualitative Aussagen zur Tragfähigkeit
2. Galileo Galilei 1564 - 1642 Discorsi ... - Galileisches Problem
3. Edme Mariotte 1620 - 1684 Spannungsverteilung - "Achse des Gleichgewichts"
4. Robert Hooke 1635 - 1703 Hookesche Gesetz, Proportionalität Dehnung/Spannung
5. Isaac Newton 1642 - 1727 Gleichgewicht der Kräfte, Infinitesimalrechnung
6. Gottfried W. Leibniz 1646 - 1716 Widerstandsmomente, Infinitesimalrechnung
7. Jakob Bernoulli 1655 - 1705 Zusammenhang zwischen Belastung und Biegung
8. Parent 1666 - 1716 Dreieckige Verteilung der Zugspannung
9. Jakob Leupold 1674 - 1727 Durchbiegung und Tragfähigkeit
10. Leonhard Euler 1707 - 1783 Untersuchung elastischer Linien, Knickgleichung
11. Charles A. Coulomb 1736 - 1806 Endgültige Lösung des Biegeproblems
12. Claude L. M. H. Navier 1785 - 1836 Biegetheorie, Elastizität, Elastomechanik, Baustatik

Abb. 8.3.14 Claude Louis M. H. Navier


Abb. 8.3.15 Modernes Sandwichelement für Dächer

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Sandwicheffekt - Tragverhalten
Legt man eine Dämmplatte und zwei dünne metallische Deckschichten lose auf zwei Auflager, dann werden sich die einzelnen Elemente, vor allem die metallischen Deckschichten, allein durch ihr Eigengewicht unübersehbar durchbiegen. Durch die Sandwichtechnologie, bei der man diese beiden metallischen Deckschichten kraftschlüssig mit der Kerndämmung Polyurethan-Hartschaum verschäumt, entsteht ein leichtes Bauelement mit ausgezeichnetem Tragverhalten.

Ein praxisnaher Vergleich mit dem bekannten Werkstoff Holz verdeutlicht den Nutzen: Ein drei Meter langer Vollholzbelag, wie man in beispielsweise im Gerüstbau für Gerüstgruppe 3 als Gerüstboden einsetzt, benötigt bei einer Punktlast von 1,5 kN zur Einhaltung einer maximalen Durchbiegung von 20 mm etwa 50 mm Dicke und er muss mehrschichtig verleimt sein, um diese Anforderung zu erfüllen. Dies führt bei einer Belagbreite von 500 mm zu einem Gewicht von 45 kg. Demgegenüber biegt sich ein Sandwichelement von 50 mm Dicke bei gleichen Konditionen nur 16 bis 17 mm durch, es hat außerdem nur 18 kg Gewicht. Das Sandwichelement bietet eine Gewichtseinsparung von 60%. Dieser Gewichtsvorteil macht sich bei Transport, Montage und Dimensionierung der Tragkonstruktion vorteilhaft bemerkbar.

Durch den Sandwicheffekt besitzen Sandwichelemente eine ausgezeichnete Biege- und Torsionssteifigkeit und sind aufgrund ihrer hohen Eigensteifigkeit nicht nur selbsttragend. Sie können trotz ihres leichten Gewichts je nach statischem System und Dimensionierung sogar erhebliche Lasten tragen. Aus diesem Grund lassen sich Sandwichelemente als anspruchsvolle Fassadengestaltung und sichere Bedachung in einem sehr breiten Anwendungsspektrum des Bauwesens einsetzen. Grundsätzlich eignen sich Sandwichelemente für alle Leicht- und Mischbauweisen und können auf unterschiedlichste Tragwerke wie Stahlbeton, Stahl, Aluminium oder Holz montiert werden.

Abbildung 8.3.16 links: lose Schichten - rechts: verschäumte Schichten eines Sandwichelements bieten tragfähige Eigenschaften und Eigensteifigkeit durch schubfeste Verbindung zwischen Dämmkern und Deckschichten

Abbildung 8.3.17 Vergleich der Durchbiegung eines 50 mm dicken Sandwichelements mit einem 50 mm dicken Holzbalken - Quelle: Koschade, R. Die Sandwichbauweise; Ernst & Sohn, Berlin 2000

 

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Statische Besonderheiten der Sandwichtheorie
Bei der Beurteilung der Tragfähigkeit ist die Schubweichheit der Kernschicht zu berücksichtigen und damit die "Theorie des elastischen Verbundes" oder die "Sandwichtheorie" zu beachten (vgl. hierzu Abb. 8.3.18).

Wie Prof. Dr. Klaus Berner 1) , einer der europaweit führenden Statikexperten zur Sandwichbauweise in Kapitel 7- Statik von "Die Sandwichbauweise" ausführlich darlegt, kann der "Satz von Bernoulli" vom Ebenbleiben des Querschnitts nicht mehr eingehalten werden.

Bei der Sandwichtheorie sind die Verformungen und die zugehörigen Spannungsumlagerungen infolge der Schubverzerrung in der Kernschicht zu beachten, was man bei "schubstarren Bauteilen" vernachlässigen kann. Deshalb wird zur sicheren Bemessung bei Sandwichbauteilen die Schubverformung berücksichtigt. Rechnerische Ansätze, die bei Sandwichelementen "starren Verbund" unterstellen, würden die Tragfähigkeit der Bauteile überschätzen und eine Bemessung auf der "unsicheren Seite" zur Folge haben.

Damit endet der kleine historische Streifzug von der Biegelehre Galileos bis zur Sandwichtheorie. Eine intensive Beschäftigung mit der Statik von Sandwichelementen bieten neben dem erwähnten Kapitel von Prof. Dr. K. Berner auch die GALILEO Infoschriften 8.1 und 8.2.

Abbildung 8.3.18 Theorie des elastischen Verbunds - Quelle: Berner, K.: Kapitel 7 - Statik in Koschade, R.: Die Sandwichbauweise; Ernst & Sohn, Berlin 2000

Autoren

Rolf Koschade, Günter Hupe


1) Prof. Dr. Klaus Berner, Professor an der FH Mainz für Stahlbau, Holzbau und Statik, Promotion (1978) an der TH Darmstadt (Thema: Sandwichtragwerke), Prüfingenieur für Baustatik, Mitglied im SVA, DIBt, - "Sandwich", Mitglied im WG 7.4 Sandwichpanels, ECCS (European Convention for Constructional Steelwork) und im W56, Sandwichelements, CIB (Conseil International du Batiment pour l'Etude), Mitglied im NABau-Arbeitsausschuß (Spiegelausschuss) "Sandwich-Elemente mit metallischer Oberfläche", Mitglied WG/CEN/TC 128/SC 11 "Sandwich panels-metal faced".

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